Mehr Geld heißt nicht unbedingt mehr Hilfe

Der Rechtswissenschaftler und Politiker Prof. Dr. Winfried Pinger war viele Jahre lang entwicklungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im Gespräch mit Michael Busch begründet er, warum aus seiner Sicht privates Engagement in der Entwicklungszusammenarbeit besonders wichtig ist.

Busch: Prof. Pinger, in Ihrem „Bonner Aufruf“ zur Entwicklungspolitik stellen Sie fest, dass die bundesdeutsche Entwicklungspolitik vor allem in Afrika weitgehend versagt habe. Gemeinsam mit anderen Experten fordern Sie eine andere Entwicklungspolitik (www.bonner-aufruf.eu). Seit Juni 2012 engagieren Sie sich im Beirat des Projektservice International. Wo sehen Sie den Mehrwert dieses neuen Angebotes?

Pinger: Indem der Projektservice International engagierte Menschen in ihrem Wunsch zu Helfen unterstützt, kann er zu einer echten Qualitätsverbesserung beim privaten Engagement beitragen. Nicht jeder Förderer kann das Rad der Entwicklungszusammenarbeit neu erfinden – und er muss es auch nicht. Engagierte Privatpersonen, Stiftungen oder Unternehmen können auf die Expertise des Projektservice zurückgreifen und so zu den für sie passenden Partnern und Projekten finden. Hinzu kommt, dass der Projektservice die Erfolge privaten Engagements erlebbar macht. Und das konkrete Erleben der Wirkungen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass mehr Menschen Freude am Helfen entwickeln.

Busch: Macht die individuelle Projektförderung durch private Geber überhaupt Sinn oder sind kleinere Förderungen nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Pinger: Im Gegenteil. Gezielte Hilfe zur Selbsthilfe wirkt nachhaltig. Und diese Art der Hilfe kommt auch mit verhältnismäßig kleinen Beträgen aus. Individuelle Projekte, die von privaten Förderern finanziert und von privaten Trägern professionell umgesetzt werden, stärken die Eigeninitiative der Menschen. Und das ist meines Erachtens das A und O einer nachhaltigen Entwicklungshilfe. Es ist ja eine bedauerliche Einseitigkeit der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit, dass zu 80 % Staaten und oft korrupte Regierungen gefördert werden. Nur knapp 20 %der Mittel werden für die Förderung der produktiven Kräfte und der Eigenverantwortung der Menschen eingesetzt. Daher ist es besonders wichtig, dass die private Initiative der Menschen durch Spenden und Stiftungen gestärkt wird.

Busch: Worauf müssen Geber achten, wenn sie sich im Ausland engagieren und wobei kann ihnen der Projektservice helfen?

Pinger: Zunächst einmal muss man verstehen, dass mehr Geld nicht automatisch mehr Hilfe bedeutet. Natürlich ist der Impuls, etwas zu geben, sehr wertvoll. Aber mit Geld kann man auch viel kaputt machen. Man wird nur etwas erreichen, wenn die Menschen vor Ort die Möglichkeit ergreifen, sich selbst zu entwickeln. Dazu brauchen sie erfahrene Kooperationspartner, die bereit sind, ihnen zuzuhören und die nicht von vornherein ihre eigenen Vorstellungen von Hilfe mitbringen. Als privater Geber ist es oftmals ein langer Weg bis dahin. Der Projektservice kann dabei helfen, diesen Weg zu verkürzen.