Projektbeispiel: Gehörlosenschule in Südvietnam

Im Jahr 2012 erreichte ein Hilferuf aus Vietnam den Heidelberger Professor für Gehörlosenpädagogik Manfred Hintermair. Die Leiterin der Gehörlosenschule im südvietnamesischen Da Lat schilderte die Schwierigkeiten, die ihr anvertrauten Kinder dort angemessen zu fördern. Medizinische Diagnostik, Hörgeräte, geschulte Akustiker – solche Angebote gibt es nur in Saigon und sie sind mangels einer Krankenversicherung oder finanzieller Unterstützung für viele Eltern gehörloser Kinder nicht zugänglich. Könnte er helfen?

Hintermair verliest den Brief der Schulleiterin auf einer Fachkonferenz in Heidelberg. Zu den Zuhörern gehört auch Ulrich Hübner. Als pensionierter Rektor einer Förderschule für Hörgeschädigte kann er einschätzen, was die geschilderte Situation für die Kinder bedeutet.  „Ich ging aus dem Vortrag heraus und sagte zu meiner Frau: Wir fahren nach Vietnam“.

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„Das Engagement in Vietnam ist für uns eine völlig unerwartete Freude. Im Beruf, so viel Spaß dieser auch gemacht hat, gab es immer zahllose Zwänge, man war oftmals auch ein Getriebener und musste abarbeiten, was von außen oktroyiert war. Jetzt ist es etwas ganz anderes, denn es geschieht allein von uns aus und gibt deswegen eine ganz andere Erfüllung.“

Bei der Frage, wie ein solches Engagement im Ausland möglich werden könnte, kommt Hübner durch Herrn Kircher, an den sich die vietnamesische Schulleiterin zunächst gewandt hatte, in Kontakt mit dem Projektservice International. Aufgrund der Erfahrungen der Schmitz-Stiftungen können schnell einige Bausteine zusammengefügt werden: Hübner und seine Frau Ines Wellmeier, ebenfalls Förderschulpädagogin, werden als Seniorexperten in ein staatliches Förderprogramm aufgenommen, eine Finanzierung für den Flug wird möglich, eine erfahrene Übersetzerin wird gefunden. „Ohne die Unterstützung und die Persönlichkeit von Michael Dirkx wäre das Ding bei meiner Frau nicht gelaufen. Wir hatten nun einen Ansprechpartner, der verlässlich ist. Wir fühlten uns jetzt sicher und nicht mehr in einem freien Irgendwo“.

Arbeit mit Kind 1Bei einem ersten Sondierungsbesuch 2013 arbeiten Hübner und Wellmeier intensiv mit dem Kollegium, vermitteln ihre Kenntnisse in Unterrichtsbesuchen und Dienstbesprechungen und erstellen gemeinsam mit den vietnamesischen Kollegen einen Maßnahmenkatalog. Zurück in Deutschland beginnt Hübner damit, Förderer für die notwendigen technischen Hilfsmittel zu suchen. Auch hier ist der Projektservice, über den die Spenden abgewickelt werden können,  eine große Hilfe. „Ich konnte mich auf die Sponsorensuche konzentrieren, den ganzen administrativen Ballast habe ich dem Projektservice überlassen.“ Hübners Einsatz hat Erfolg: Im Jahr 2014 können er und seine Frau mit Unterstützung privater Förderer und engagierter Firmen (Westra, Phonak, Maico) technische Hilfsmittel im Wert von ca. 90.000 € nach Da Lat bringen. Die Anschaffung diagnostischer Geräte und der Schulneubau sind nun die nächsten Herausforderungen – um den hörgeschädigten Kindern in Da Lat ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, in dem sie hören können und gehört werden.