Wem nutzt und wie geht Wirkungsorientierung
bei kleinen Projekten?

Alle Welt redet von Wirkung – von Wirkungsorientierung, Wirkungsbeobachtung oder Wirkungsmessung. Reicht es jetzt nicht mehr, einfach nur zu helfen? Müssen sich auch kleine Projekte mit einer Diskussion beschäftigen, die eigentlich nur für die großen staatlichen Entwicklungsprogramme relevant ist? Unser Expertengespräch zeigt, warum sich auch kleine Projekte mit dem Thema Wirkung auseinandersetzen müssen und wie sie das leisten können.

Zunächst sollte man bei „Wirkungsorientierung“ keinesfalls nur an aufwändige Evaluationen von Projekten denken. Das erläutert Dr. Philipp Hoelscher, Leiter der Forschung und Analyse bei der PHINEO gAG, die sich der Stärkung des Wirkungsgedankens im gemeinnützigen Sektor widmet: „Bei Wirkungsorientierung geht es nicht etwa darum, regelmäßig ausgeklügelte Evaluationen in Auftrag zu geben. Wirkungsorientierung beginnt schon vor der Evaluation, nämlich mit der Festlegung von Zielen („Was wollen wir erreichen?“) und einer Wirkungslogik („Mit welchen Ansätzen können wir diese Ziele am besten erreichen und warum?“). Für die Ziele gilt es festzulegen, woran man deren Erreichung erkennt und man sollte sich anhand dieser Kriterien regelmäßig kritisch fragen, ob man die Ziele erreicht hat. Das mag alles ganz selbstverständlich klingen, ist es aber in der Praxis keineswegs. Die Besinnung auf ein solches wirkungsorientiertes Vorgehen hilft allen Projekten und gemeinnützigen Organisationen – unabhängig von deren Größe.“

Wie das in der Praxis der Entwicklungszusammenarbeit ganz konkret aussehen kann, schildert Dr. Eberhard Gohl. Als Berater und Experte hat er unter anderem das Projekt NGO-IDEAs mitgestaltet, in dem deutsche Nichtregierungsorganisationen zusammen mit ihren Südpartnern Instrumente zur Wirkungsorientierung und Selbstevaluierung entwickelt haben. „Nehmen wir einmal das Beispiel der Vorschulerziehung. Wenn wir uns da zunächst mit Eltern zusammensetzen und über die Lernziele in der Vorschule sprechen, dann entsteht oft schon allein dadurch ein großer Aha-Effekt: Die Eltern erkennen, was sie selbst zu diesen Zielen beitragen können. Das kann die Gesundheitserziehung sein oder einfach auch das Spielen mit den Kindern und Pünktlichkeit. Entscheidend ist die Erkenntnis: Wir können zur Zielerreichung wesentlich beitragen. Man kommt weg von dem Formulieren von Wunschlisten und sieht viel mehr den Eigenbeitrag. Deswegen ist das Sprechen über Ziele so wichtig.“

Auch die Beobachtung der Wirkung schildert Gohl als einen Prozess, der mit ganz grundlegenden Fragen beginnt. „Woran erkennen wir eigentlich, dass etwas unbefriedigend ist? Genau dieses Merkmal wird es dann auch sein, an dem die Menschen selber den Fortschritt messen können. Wenn etwa allgemein die Gesundheitssituation Sorgen bereitet, dann wird beim genaueren Hinschauen vielleicht konkret deutlich, dass während der Regenzeit die Erkältungs- und Durchfallerkrankungen stark zunehmen. Daran schließt sich dann die Frage an: Wie können wir das genauer beobachten? Das kann dann etwa durch die Rückfrage bei Gesundheitsstationen geschehen oder durch eine Frauengruppe, bei der die Krankheiten gemeldet werden und die die Zahlen im Dorf bekannt macht.“

Aber die beobachtete Veränderung muss nicht unbedingt eine Wirkung unsere Tuns sein. Deshalb bedarf es neben der Messung von Veränderungen einer Analyse, was dazu beitrug, etwa der Unterscheidung von förderlichen und hinderlichen Faktoren. Als förderlich können sich zum Beispiel Hilfen anderer NGO´s oder des Staates erweisen, als hinderlich Widerstände in der Zielgruppe oder auch eine falsche Auswahl oder Schulung des Projektpersonals. So entsteht nach und nach ein Lernen über die Ziele und über die eigenen Beiträge zu den Veränderungen. Wichtig ist Gohl, dass die Analyse sofort und gemeinsam mit den Betroffenen erfolgt. „Monitoring der eigenen Wirksamkeit“ ist das Stichwort für diesen Ansatz. Gohl: „Bei jeder Auslandsreise erlebe ich immer wieder, dass Menschen vor Ort sagen: `Wir haben bisher noch gar nicht in Zielen gedacht oder uns vorgestellt, dass wir etwas verändern und bewirken können – das haben wir jetzt verstanden´. Das ist der Schlüsselmoment, darauf kommt es an“.

Dass ein in diesem Sinne wirkungsorientiertes Vorgehen gerade in der Entwicklungszusammenarbeit besonders wichtig ist, bestätigt auch Simon Freund. Er ist Mitarbeiter des DEval, desDeutschen Evaluierungsinstitutes der Entwicklungszusammenarbeit gGmbH. „Wirkungsorientierte Planung, Monitoring und Evaluierung haben ja keineswegs nur die Funktion der Rechenschaftslegung gegenüber Gebern, Spendern und der weiteren Öffentlichkeit. Wenn unsere Partner mittels Capacity-Building eine solche Vorgehensweise annehmen, dann hilft ihnen das, zu effektiven lernenden Organisationen zu werden. Lokale Organisationen der Zivilgesellschaft, die aus Fehlern lernen und sich und ihre Arbeit stetig verbessern sind ein nachhaltiger Beitrag zur Entwicklung – im Gegensatz zu Programmen, die im Geberland einfach am Reißbrett konzipiert wurden.

Und Freund macht auch noch auf einen anderen Aspekt wirkungsorientierten Vorgehens aufmerksam. „Die Größe der Projekte begrenzt natürlich auch die entsprechenden Budgets für Monitoring und Evaluierung. Für kleine Projekte ist es daher naheliegend, neben kostengünstigen Methoden der partizipativen Selbstevaluierung auch das strategische Lernen zu nutzen. Dabei geht es darum, von den Erfahrungen zu profitieren, die andere mit bestimmten Förderansätzen gemacht haben. So veröffentlichen etwa das BMZ, die KfW oder auch private Hilfswerke zumindest Kurzfassungen ihrer Evaluierungen. Wer sich etwa für die Verhinderung der Kinderarbeit engagiert, kann die Erfahrungen von MISEREOR und Brot für die Welt im Internet nachlesen. Damit wird wertvolles Wissen verfügbar, das über viele Jahre aufgebaut wurde. Auch das DEVal stellt seine Evaluierungen vollständig im Internet bereit.“

Die Hinweise der Experten machen deutlich: Wirkungsorientierung steht keineswegs für eine aufwändige und auf Zahlen fixierte Evaluation von Engagement und Hilfe. Im Gegenteil: Wirkungsorientierung beschreibt eine grundsätzliche Haltung und eine konkrete Lernmethode, die für echte Hilfe zur Selbsthilfe und als Leitfaden für wirkungsvolles Engagement unverzichtbar ist – auch für kleine Projekte.

Hilfreiche Links:

Website des DEVal: www.deval.org
NGO Ideas: www.venro.org/themen/themen-wirkungsbeobachtung0